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"Trinkhallen – die Seelen der Nachbarschaft" - Fotoausstellung von Wolfgang Schneider

NOCH BIS Montag, 10.06.2019
10.00 bis 18.00 Uhr

Ripshorster Straße 306, 46117 Oberhausen

Haus Ripshorst präsentiert Bilder zu Trinkhallen im Ruhrgebiet

trinkhalle. foto: rtg
Trinkhalle. Foto: RTG

Vom 30. März 2019 bis Pfingstmontag, den 10.Juni 2019 findet im Haus Ripshorst – RVR-Besucherzentrum Emscher Landschaftspark -   die Fotoausstellung „Trinkhallen – die Seelen der Nachbarschaft-“ von Wolfgang Schneider statt. Gezeigt werden Fotomotive von Trinkhallen des Ruhrgebiets aus den 1960er Jahren bis heute.


Die Trinkhalle gehört zum Ruhrgebiet wie der Käse auf die Stulle, oder – frei nach Loriot – ein Leben ohne Trinkhalle ist möglich, aber sinnlos. Die ersten Trinkhallen gab es in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Ihr damaliger Zweck ist heute allerdings in Vergessenheit geraten: Sie wurden von Mineralwasseranbietern in Industriestädten errichtet, um die Volksgesundheit zu heben (Leitungswasser war damals ungenießbar!).

Trunksucht unter den Arbeitern der großen Fabriken war der bürgerlichen Gesellschaft ein Dorn im Auge und galt als Bedrohung für Ordnung und Moral. Dabei war es damals durchaus üblich, den Durst während der Arbeit mit Bier und Branntwein zu löschen. Manch ein Arbeitgeber zahlte gar einen Teil des Lohnes in Alkohol aus. So wundert es nicht, dass die Städte und Gemeinden günstige Flächen für den Bau von Trinkhallen zur Verfügung stellten.

Der Gedanke, durch den Verkauf von „Heilwässern“ den kleinen Leuten das Gefühl einer „ambulanten Kur“ zu ermöglichen, findet sich vor allem in der Gestaltung der Trinkhallen wieder. Sie wurden den Pavillons des Adels nachempfunden mit offenen Seiten und vielen Verzierungen. Im Laufe der Jahre erweiterte sich das Angebot der Trinkhallen. Um die Jahrhundertwende boten sie nicht nur Mineralwasser, sondern auch Tee, Kaffee, Milch und Tabakwaren an. Bald kamen die ersten Speisen hinzu, nicht viel später wurde das Angebot um Zeitungen erweitert. Irgendwann wurde auch der Verkauf von Alkohol erlaubt.

Die Trinkhalle wurde nach und nach zum Kleinstgeschäft für alle Dinge des täglichen Bedarfs und somit auch zum sozialen Treffpunkt in der Nachbarschaft. Mit dem veränderten Angebot veränderten sich auch die Erst waren es vermehrt Bergmannswitwen oder Versehrte, nach den Weltkriegen dann Kriegerwitwen und Hinterbliebene, die durch den Betrieb einer Trinkhalle zum Lebensunterhalt ihrer Familien beitrugen. Der Höhepunkt des Trinkhallenbooms nach dem Krieg war 1960 erreicht. Mit dem wachsenden Wohlstand der Bevölkerung, änderte sich noch einmal das Angebot. Neben Zeitschriften, nahmen Zigaretten und Süßigkeiten einen Großteil ein.

Bald danach begann der Niedergang – mit dem Rückzug der Schwerindustrie schlossen auch die Trinkhallen in der Nähe der Werke. Bis 1996 die Liberalisierung des Ladenschlussgesetzes begann, waren die Trinkhallen allerdings der einzige Anlaufpunkt für alle, die nach 18.30 Uhr noch etwas besorgen wollten. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Trinkhalle den modernen Zeiten geöffnet. Trotz aller Konkurrenz durch Supermärkte und Tankstellen haben die Trinkhallen ihren Status bewahrt.

Heute gibt es immerhin noch 8.000 von ihnen und sie sind nach wie vor lebendiger Ausdruck der Industriekultur, haben einen hohen Stellenwert für die lokale Versorgung sowie eine soziale Funktion in der Nachbarschaft. Die besondere Geschichte und der nach wie vor große Stellenwert der Trinkhallen für die Bevölkerung war ausreichend Anlass, sie zu würdigen und das Jahr der Trinkhallen einzuführen. 2018 wurde es wieder begangen.

Die Ausstellung wird am Freitag, den 29. März 2019, um 11.00 Uhr eröffnet.

Nach der Begrüßung wird Herr Wolfgang Schneider eine Einführung zur Ausstellung geben. Der anschließende Rundgang durch die Ausstellung wird ebenfalls durch Herrn Wolfgang Schneider begleitet.

Link zur Veranstaltung

Veranstalter

Regionalverband Ruhr (RVR)

Terminbesonderheiten

Informationen unter Tel.: +49 (0)208. 88 334 83

Öffnungszeiten für die Zeit von März bis Oktober:
Täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr

Zum Fotografen:

Wolfgang Schneider, Jahrgang 1948, geboren in St. Thomas, hat Sozialwissenschaft und Kunst in Duisburg, Bournemouth und Montpellier studiert. Wolfgang Schneider war in seinem Berufsleben schon immer als Fotograf aktiv und widmet sich als freischaffender Künstler weiter der Fotografie. Foto-Ausstellungen von Wolfgang Schneider waren in den Jahren 1992 bis heute  u. a. in Los Angeles/USA, im Museum für Kunst- und Kulturgeschichte in Kaliningrad und im Landschaftspark Duisburg-Nord zu sehen.      

Preise/Tickets

Der Eintritt ist frei.

Adresse

Informationszentrum Emscher Landschaftspark Haus Ripshorst
Ripshorster Straße 306
46117 Oberhausen
+49 (0)20 8 / 88 33 48 3
Kontakt
Homepage

Veranstaltungsort

Wer mehr über den Emscher Landschaftspark wissen möchte, der ist hier goldrichtig: Im Haus Ripshorst in Oberhausen gibt das Informationszentrum mit einer interaktiven Ausstellung detailliert Auskunft über die Region zwischen Duisburg und Hamm. Zudem bietet Haus Ripshorst, das auf dem historischen Grund einer Gräftenburg steht, Exkursionen und Veranstaltungen zu Natur- und Umweltthemen an. In dem ökologisch gebauten Holzhaus, das an die Stelle der früheren Stallungen getreten ist, haben mehrere Naturschutzeinrichtungen ihren Sitz.

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